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Das Auto - eine außerirdische Erfindung? - Der Sport - Die Hygiene-Werbung - Der Sonnenaufgang- Die Schwerkraft - Die Zeit - Die Warmwasserversorgung - Der mobile Mitteleuropäer - Eine Welt ohne Werbung ? - Abkochen fürs Millennium - Radrennfahrer - Leichtathleten - Allein im All? - Der Sonntag - Die Dienstleistungs-Gesellschaft - Die Musik - Wenn Computerhersteller Herde bauen würden -

1. Das Auto
Seit Jahren werden wir ahnungslosen Mitteleuropäer von Außerirdischen überwacht und bespitzelt - und zwar nur aus einem Grund: Weil die Jungs von den anderen Sternen sonst nicht sonderlich viel zu lachen haben. Man stelle sich vor: Da wuseln Millionen von Zweibeinern über einen ziemlich kleinen Planeten und behaupten halsstarrig, daß es das Nonplusultra ihrer Entwicklung wäre, mobil zu sein. Und dazu haben sie nun erstmal das Rad erfunden; um das herum wurde im Laufe der Zeit das " Auto" konstruiert - und damit das Ding auch zielgerichtet herumritten kann, kam dann noch die " Straße" dazu. Und seitdem rollen diese witzigen kleinen Wesen mit ihren Autos kreuz und quer über ihre Straßen und frönen ihrer Mobilität, was ja wiederum gleichbedeutend mit Fortschritt und menschlicher Entwicklung ist.

Aus diesem Zusammenspiel " Auto-Straße-Mensch" entstand dann auch tatsächlich etwas vollkommen neues, das dann wiederum " Stau" genannt wurde: Der Stau ist sozusagen der Endbestand der Mobilität - sozusagen die " ruhende, in-sich-gekehrte Bewegung". Sozusagen " Mobilität in der Meditation". Jedenfalls passiert in den Sommermonaten immer folgendes: Irgendwelche Stauexperten verkünden lauthals, daß man sich an den und den Tagen besser nicht mit dem Automobil von A nach B oder gar nach Ypsilon bewegen sollte, zumindest dann nicht, wenn man ein Anhänglicher der beweglichen Mobilität ist. Aber das sind eben die wenigsten.

Auf jeden Fall zuckeln an genau den Tagen die Leute massenweise los - von A nach B und vor allen Dingen nach Ypsilon - und landen folgerichtig in dem versprochenen Stau - also in der " meditativen Mobilität". Und dann passiert das eigentlich lustige: Jeder einzelne Autofahrer, der in diesem großen Stau gelandet ist schüttelt den Kopf, zeigt mit dem Finger erst an die eigene Stirn und dann auf die anderen und fragt ich oder seinen Beifahrer, wieso die ganzen anderen Mobil-Menschen da eigentlich unterwegs sind - oder vielmehr nicht unterwegs sind. Schließlich sind sie doch alle von dem Stauexperten gründlich gewarnt worden. Und genau so etwas finden die Außerirdischen unglaublich lustig: Da schweben sie tagelang über unserem Planeten und amüsieren sich köstlich über die menschliche Mobilität, die sich selbst ausgebremst hat - was allerdings wiederum ein etwas trübes Licht auf den interstellaren Humor wirft. Andererseits ist natürlich auch klar, daß die kleinen grünen Männlein und Weiblein, die uns da umschwirren, nur ziemlich wenig mit Blondinen-Witzen anfangen können. Alsdann ... geben wir Gas!

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1B. Ist das Auto ein Außerirdischer ?
Der treueste Gefährte des Menschen ist das Auto. Da gab's schon Leute, die sich zusammen mit ihrem vierrädrigen Freund haben beisetzen lassen und ein einsamer Pionier beantragte bereits, seinen fahrbaren Untersatz ehelichen zu dürfen. Erfahrungsgemäß wird es allerdings noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis endlich auch dieses Tabu überwunden ist - und bis dahin werden sich hochdotierte Wissenschaftler der Erforschung dieser höchst komplizierten Beziehung Mensch-Auto widmen müssen, denn vieles liegt da noch in kompletter Dunkelheit.
Fest steht, daß es da eine höchst merkwürdige Wechselwirkung gibt, die den Homo Sapiens vorübergehend in einen Homo Automobilis (Autofahrer) verwandelt, der sich ganz grundsätzlich von einem gewöhnlichen Menschen unterscheidet. Bestens beobachten läßt sich das auf Großparkplätzen, insbesondere im Umfeld von Einkaufszentren, Baumärkten und ähnlichen Stätten zwischenmenschlicher Begegnung. Beim Landeanflug auf diese Abstellflächen mobiler Untersätze wird sich der Fahrende Mensch bitterlich über die Dreistigkeit der anwesenden Fußgänger beschweren. Er wird seinen PKW gnadenlos durch verschreckte Menschen steuern, die zu Fuß versuchen, ihren Einkaufswagen über die Parkfläche zu bugsieren. Unter Einsatz von Hupe und wüsten Verwünschungen wird sich der Autofahrende Mensch einen Weg bis zu einem geeigneten Abstellplatz bahnen, um dann vorübergehend den Motor abzustellen und selbst Teil des allgemeinen Fußvolks zu werden.
In dem Moment jedoch, wo der Autofahrer seinen angestammten Platz am Lenkrad verläßt, ereignet sich eine ganz verblüffende - und weitgehend unerforschte - Verwandlung. Kaum hat der Mensch sein Auto verlassen, streift er auch seine Autofahrer-Mentalität ab. Und wenn er dann selber dabei ist, einen schlecht geölten Einkaufswagen über den Parkplatz zu schieben, wird er sich bitterlich über die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer beklagen, die - unter Einsatz von Hupe und wüsten Verwünschungen - ihr Fahrzeug rücksichtslos über den Parkplatz steuern.
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Diese merkwürdigen Verhaltens-Änderungen auf dem Parkplatz werden nur noch dadurch getoppt, daß einige moralisch ungefestigte Autofahrer gelegentlich auf einen Fahrradsattel umsteigen. Bevor sie die schützende Blechhülle ihres rollenden Freundes verlassen haben, benehmen sie sich noch vollkommen normal: Radfahrer, Rollschuhläufer und Fußgänger werden von ihnen als bloße Hindernisse wahrgenommen. Im Gegensatz zu den - auch schon lästigen - Geschwindigkeits-Buckeln haben Radfahrer, Rollschuhläufer und Fußgänger aber etwas besonders hinterhältiges: Sie sind nämlich beweglich, können plötzlich Kurs und Geschwindigkeit wechseln, und das tun sie auch - und zwar nur um die Autofahrer zu ärgern, denn es steht aus Gründen der Humanität immer noch unter Strafe, Radfahrer, Rollschuhläufer und Fußgänger einfach umzufahren. Sobald aber nun so ein rational denkender Autofahrer sein Fahrzeug verläßt und sich selbst in den Fahrradsattel schwingt, verwandelt er sich in seinen eigenen Feind. Und schon nach zwei Kilometern wird er die Autofahrer ebenso beschimpfen, verfluchen und verachten, wie er vorher - am Lenker seines Wagens - die Radfahrer beschimpft, verflucht und verachtet hat. Da ein vernünftiges Wesen wie der Mensch ganz eindeutig nicht zu dermaßen gegensätzlichem Verhalten fähig ist, gibt es eben nur noch eine Erklärung: Das Auto ist in der Lage, die Gehirnströme des Menschen zu verändern, und womöglich stehen wir damit vor einervollkommen neuen Phase der Evolution.

Das Auto manipuliert unsere Gedanken. Und wenn man das mal weiterdenkt, dann kommt man unweigerlich zu dem Schluß, daß das Auto eine unbekannte Lebensform ist, die heimlich die Übernahme dieses Planeten plant, unter symbiotischer Einbeziehung des Menschen.
Während wir - wie bescheuert - auf den Himmel starren und nach Untertassen und kleinen grünen Männchen Ausschau halten, könnte es uns komplett engangen sein, daß sich die Außerirdischen längst unter uns befinden - oder zumindest ihre Spielzeuge, mit denen sie uns gefügig machen wollen. Wenn uns Außerirdische tatsächlich besuchen sollten, dann werden sie uns um Lichtjahre voraus sein. Wenn wir armseligen Würmer - mit unserem albernen Halbwissen - ein Raumschiff ist nächstbeste Sonnensystem schicken würden, dann wäre es ein paar Hundert Jahre unterwegs. Ergo: Wenn da jemand heimlich im Orbit sein sollte, dann verfügt er über eine bessere Technik, als nur ein absturzsicheres Betriebssystem für seine Computer.

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Wenn also diese Außerirdischen schlau sind, und ein bißchen Geduld haben, dann tauchen sie doch nicht - in ihrer ganzen überlegenen Grünheit - auf dem Brokser Heiratsmarkt auf und machen komische 'Meep-Meep'-Geräusche. Nein: dann lassen sie sich schon eher irgendwas einfallen, womit sie den ganzen Planeten bestechen können - zum Beispiel mit dem Auto. Kein Mensch weiß genau, wie das Auto eigentlich erfunden worden ist - und warum ausgerechnet zu der Zeit. Theoretisch hätten schon die alten Ägypter ein Automobil bauen können, aber die hielten's ja nicht mal für nötig, das Rad zu erfinden. Aber dann plötzlich ... irgendwann im Dunkel des letzten Jahrhunderts, wurde - urplötzlich - beschlossen, daß der Mensch ein Auto braucht.

Es ist merkwürdig, daß praktisch an einem einzigen Punkt der Geschichte gleich so ein ganzer Satz merwürdiger Erfindungen auftauchten, die echte Massenphänomene wurden: Auto, Telefon, Kühlschrank und Glühbirne. Jahrhundertelang hatte man sich ohne diese Techniken durchgeschlagen und trotzdem so großartige Sachen wie den Kölner Dom oder Müllkippe von Turin konstruiert. Und man hatte das Auto dabei nicht einmal vermißt. Dann jedoch setzte irgendjemand die Idee in die Welt, daß jeder Mann und jede Frau unbedingt ein Auto haben müßten. Das ist doch verdächtig!

Wenn ich jetzt verkünden würde, daß unsere sog. Sendung plötzlich unbedingt eine regelmäßige Call-In-Hotline bräuchte, in der Zahnärzte die Probleme ihres Berufsstands diskutieren können - man würde mich doch für verrückt erklären. Die geneigte Hörerschaft würde doch sofort vermuten, daß der Geschwätzige Moderator unter einem unbekannten Einfluß steht ... oder wenigstens unter einem bekannten Einfluß. Und genauso war das auch mit dem Auto: 1860 hat noch kein Mensch überhaupt gewußt, was ein Auto sein könnte, geschweigedenn, daß man es braucht. Und nur 50 Jahre später propagierte ein Henry Ford die Serienproduktion.

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Angenommen, ich wäre ein Außerirdischer und wäre über diese irgendwie sympathisch-beknackten Erdlinge gestolpert und ich hätte mir in den Kopf gesetzt, diesen ganzen Planeten zu übernehmen. Das wäre so im letzten Jahrhundert ziemlich schwierig gewesen - zum Beispiel weil einfach Landeplätze für meine Raumschiffe fehlen. Damals gab es noch keine Flughäfen, nicht einmal vernünftige Straßen waren da. Und weil ich ein gerissener Außerirdischer bin, denk ich doch gar nicht daran, mir selber die Hände schmutzig zu machen. Stattdessen lasse ich doch viel lieber diese lustigen Erdlinge geeignete Landeplätze erschließen. Also bring' ich sie auf die Idee, das Auto zu erfinden. Das ist genau das richtige Spielzeug für diese Erdbewohner. Und das Auto braucht Straßen, Parkplätze und Autobahnen - ideale Landeplätze für meine Invasionsflotte. Also wenn man's mal so betrachtet, dann macht plötzlich alles einen Sinn.

Noch so ein ganz verdächtiges Indiz, daß dieses "Auto" nicht von dieser Welt stammt, ist seine Technik. Autos - die früher nur zum Rumfahren dienten - sind ja inzwischen hyper-sensible Maschinen geworden, die nicht mal mehr von den zuständigen Fachleuten durchschaut werden. Das heißt: sie entwickeln sich inzwischen schon ganz von alleine weiter, und bereits heute wissen viele Autobesitzer nicht mehr genau, wozu eigentlich all die vielen Knöpfe und Schalter dienen, die sich an ihrem Armaturenbrett befinden. Und für viele Funktionen gibt es inzwischen nicht mal mehr einen Knopf: Zum Beispiel der Airbag: Man kann nicht einmal überprüfen, ob dieses aufgeblasene Etwas wirklich nur der Sicherheit dient. Es wär doch ein leichtes, alle Airbags mit Schnarchgas zu füllen und auf ein geheimes Kommando gleichzeitig zu zünden. Der Autofahrer wird augenblicklich eingeschläfert, sinkt dabei auf ein weiches Ruhekissen und liest am nächsten Morgen verblüfft in der Zeitung, daß eine Telefongesellschaft von Sirius B diesen Planeten übernommen hat, um einen neuen vielversprechenden Markt zu erobern - und kein Mensch hat's überhaupt richtig gemerkt. Es muß natürlich keine Telefongesellschaft sein, es kann auch eine universelle Unterhaltungsfirma sein, die auf planetarer Ebene Späße mit versteckten Kameras dreht, und unsern gutgläubigen Planeten als ein besonders lustiges Opfer entdeckt hat.

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2. Der Sport

Eine unserer hausgezimmerten Definitionen lautet: je mehr Freizeit, desto mehr Kultur. Wer alle Hände voll damit zu tun hat, irgendwelche Wurzeln aus der Erde zu kratzen oder andauernd vor wildgewordenen Säbelzahntigern zu flüchten, findet kaum die Zeit Bilder zu malen; sich Gedanken über den Sinn des Lebens zu machen; endlose Runden durch ein Stadion zu traben - oder gar anderen dabei zuzusehen, wie sie endlose Runden durch ein Stadion traben.

Erst Menschen, die einfach zuviel Zeit haben, kommen auf solche verschrobenen Ideen, und da in den letzten Jahren der Freizeitzuwachs nicht gerade unerheblich war, wurden auch die Ideen immer bescheuerter. Früher begnügte man sich noch damit schneller zu rennen, weiter zu werfen oder kräftiger zuzuschlagen, als die Konkurrenz. Heute dagegen fährt man bereits mit dem Fahrrad von der Zugspitze, hockt wochenlang auf meterhohen Pfählen oder klettert mit verzücktem Augenschlag an 92stöckigen Wolkenkratzern hoch. Und komischerweise finden sich immer genug Begeisterte, die einen derartig spektakulären Schwachsinn begierig zur Kenntnis nehmen - und sei es mit der lautstarken Erkenntnis, daß es sich dabei vermutlich um " ziemlich spektakulären Schwachsinn" handelt.

Jedenfalls ist nie eine Kamera dabei, wenn jemand zum 200-Meter-Sprint mit zwei gut gefüllten Plastiktüten durch die überfüllte Fußgängerzone ansetzt, um den 18-Uhr-22-Bus noch zu erwischen. Keine Meute hechelnder Paparazzi verfolgt die rasende Irrfahrt des entnervten Familienvaters am Lenker eines kaum steuerbaren Einkaufswagens, kurz vor Ladenschluß im Supermarkt. Keine blonden Grazien überreichen dem glücklichen Finder eines Innenstadt-Parkplatzes einen Siegeskranz. Und keine Mikrofone recken sich dem Arbeitnehmer entgegen, der es - trotz dreier Großbaustellen - geschafft hat, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Dafür jedoch hocken Millionen am Fernsehgerät, wenn so ein paar Lenkradhelden für nichts-und-wieder-nichts immer im Kreis fahren, um am Ende genau da anzukommen, wo sie auch losgefahren sind. Und es wird sogar applaudiert, wenn es einem unschuldigen Pferd gelingt, über ein paar Stangen zu hoppeln, die irgendwer ihm in den Weg gestellt hat. Und wohlgemerkt: Den Preis und den Beifall kriegt der Reiter und nicht etwa das Pferd, das ohne seinen Chef vermutlich auch schlau genug gewesen wäre, einfach um diese albernen Stangen rumzulaufen. Und damit wären wir wieder mal bei der Frage: Werden wir von Außerirdischen beobachtet? Wenn ja, dann müssen die Jungs in ihrem Raumschiff sich angesichts unserer sportlichen Meisterleistungen immer wieder fragen, wie diese Menschen eigentlich funktionieren - im Kopf.
 

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3. Die Hygienewerbung
Abgesehen davon, daß man sich sowieso über praktisch jede Form von Reklame stundenlang aufregen mag - gibt es definitiv eine Produktpalette, die ganz besonders fatale Resultate produziert. Sämtliche Dinge, die irgendwie irgendwas sauber machen sollen, kommen regelmäßig aus dem Mariannen-Graben moderner Werbe- Psychologie. Da gerät das ganze Leben aus den Fugen, weil der Pullover kratzt; da müssen Hausfrauen mit den Tränen kämpfen, weil das "herkömmliche Mittel" den Schmutz nicht vom Boden kriegt; da gehen Freundschaften in die Brüche, weil das Wollwaschmittel versagt hat und ganze Dörfer messen sich in einem fröhlichen Abwaschwettkampf. Ein Stück dümmlicher als das andere; kein Witz, kein Charme, kein Pfiff - statt dessen muß man immer wieder fassungslos zusehen, wie zwei Pullover nach der Wäsche miteinander verglichen werden; wie langmähnige Frauen vollkommen unmotiviert ihre Haare in den Wind schütteln und wie Zahnbürsten gegen Tomaten gedrückt werden. Das komische dabei ist, daß die Reinlichkeitsbranche irgendwie vollkommen unbeleckt von jeder neuzeitlichen Erkenntnis zu sein scheint: Während man anderswo allmählich zur Überzeugung gelangt ist, daß Werbespots durchaus witzig, pfiffig, überraschend oder wenigstens gut gemacht sein darf, halten die Waschmittelvertreter und Duschgel-Verkäufer Humor oder Phantasie glattweg für Geschäftsschädigung. Was die Sauberkeit anbelangt, kennen wir nämlich keinen Spaß: das muß wirken, das muß blitzen und strahlen. Das ist ein ganz ernstes Thema - und deshalb werden dann ja auch immer diese belehrsamen Trick-Filmchen eingebaut, in denen mit eindringlicher Stimme erklärt wird, wie gelbliche Schlangenlinien in unsere Zähne eindringen, wie Schmutzpartikel sich in den Teppichfasern geradezu festsaugen oder wie sich unsere Haupthaar bei der Benutzung des falschen Waschmittels in ein widerwärtiges Gespinst spröder Fasern verwandelt. Angesichts der Tatsache, daß wir bereits seit der Erfindung des Fernsehens permanent mit den gleichen Hygienespots berieselt werden, ist es kein Wunder, daß die Mehrheit sich nicht vor der Klimakatastrophe oder einem Angriff aus dem Weltraum fürchtet, sondern vor Kalkflecken an der Dusche, Rändern an den Sektkelchen und verzweifelten Kinderaugen, die nicht verstehen können, warum ihr geliebtes Fußballtrikot seine Farben verloren hat, während die Mutter von Niklas das irgendwie hinkriegt, daß die Farben immer noch leuchten. Mit Restflecken in der Wäsche beginnt der soziale Abstieg.
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4. Der Sonnenaufgang
Die Wissenschaft mag ja ganz nett und nützlich sein, aber sie hat unseren Planeten in den letzten 500 Jahren in einen eher langweiligen Ort verwandelt. Seit - zum Beispiel - verbreitet worden ist, daß es sich bei dieser Erde um ein kugelförmiges Gebilde handelt, ist der Sonnenuntergang zu einer ganz profanen, physikalischen Angelegenheit Die alten Wotjaken - die westlich des nördlichen Urals lebten, glaubten beispielsweise, daß die Sonne allabendlich von einem riesigen Eisbären verschlungen wurde. Das brachte den Stoffwechsel dieses armen Tieres dermaßen aus dem Gleichgewicht, daß er - wie von der Tarantel gestochen - nach Osten wetzte, um die Sonne dann am nächsten Morgen auf natürlichem Wege wieder freizusetzen. Etwas bizarrer waren da die Jugakiren, die wiederum der Meinung waren, daß die Sonne von einem buckligen alten Griesgram gewaltsam in eine Erdhöhle gezerrt und als Herdplatte mißbraucht wurde. Der Göttin der Morgenröte - die bei den Jugakiren von einem acht Meter langen Maulwurf verkörpert wurde - konnte sich jedoch immer wieder in die unterirdischen Gemächer des alten Misanthropen schleichen und die Sonne befreien. Anschließend wurde die leuchtende Scheibe in einen licht-dichten Fellbeutel gepackt, von der großen Zwiebelkrähe nach Osten geflogen und dort am nächsten Morgen freigelassen. Diese These führte übrigens dazu, daß das Wort "Höhlenbewohner" in vielen finnisch-ugrischen Sprachen immer noch gleichbedeutend für "Sonnendieb" ist. Die Markabylen - ein inzwischen ausgestorbenes Volk der nördlichen Sahara - waren davon überzeugt, daß die Sonne jeden Abend in einem großen Haufen Kameldung versackte, während die Quenya-Pygmäen am Oberlauf des Kongo die Sonne prinzipiell für eine verirrte Seele hielten, die irgendwann wieder auf die richtige Bahn gebracht werden sollte. Die Quenya nämlich waren fest davon überzeugt, daß die Götter die Sonne erschaffen hatten, um die Nacht zu erleuchten. Tagsüber war es schließlich hell genug, und die Sonne sollte ursprünglich dazu dienen, die nächtliche Dunkelheit zu vertreiben. Der tückische Waldgott Djalumba jedoch lud die Sonne zu einem nächtlichen Gelage und verwirrte ihre Sinne mit einer wohldosierten Menge Alkohol. Der Effekt dieser Tat war, daß die Sonne fortan permanent dann vom Himmel verschwand, wenn es sowieso dunkel wurde. Und jahrhundertelang beteten die Quenya vergeblich, daß die Sonne endlich wieder am Abend aufgehen würde. Aber die skrupellose Wissenschaft des Nordens hat all diese wunderbaren Mythen verschwinden lassen, was schließlich zur Erfindung der Neonröhre und der Sommerzeit führte.

Um wieviel aufregender muß es dagegen früher gewesen sein, als kein Mensch mit Gewißheit voraussagen konnte, ob es tatsächlich einen nächsten Tag geben würde. Allerdings hatte das natürlich auch seine Schattenseiten: Etliche frühe Kulturen dieses Planeten gingen daran zugrunde, daß irgendein blöder Prophet auf die Idee kam, daß man die ganze Nacht hindurch jammern, flehen oder singen müßte, um die verschwundene Sonne dazu zu bewegen, am nächsten Morgen wieder über den Horizont zu kriechen. Weil nun das komplette Volk die ganze Nacht mit beten, singen und opfern beschäftigt war, breitete sich schnell eine bleierne Müdigkeit aus. Und bei der nächstbesten Gelegenheit wurde die gesamte frühe Kultur von einem Volk überrannt, das sich nicht weiter um den Sonnenaufgang scherte und deshalb erheblich ausgeschlafener war. Das war dann womöglich auch der wirkliche Grund für das Aussterben der Dinosaurier: Irgendetwas brachte die armen Viecher womöglich um ihren Schlaf. Sie wanderten rastlos durch die dunklen Nächte des Karbon, fühlten sich am nächsten Morgen wie gerädert und wurden über kurz oder lang von den Säugetieren verdrängt, die die Fähigkeit besaßen, nachts zu schlafen und sich jeden Morgen wie neugeboren zu fühlen. Womit man mal wieder sieht, wohin Schlaflosigkeit führen kann. Ich gebe zu: das ist eine etwas verwegene Theorie, aber ich hab' auch schon schlimmere gehört. Und frei nach Sherlock Holmes, Dr. Stanislaus Lehmann, Liebknecht Schuster und Edward A. Murphy sollte man auch in der Evolutionsgeschichte die unwahrscheinlichen Lösungsvorschläge nie völlig ausschließen.

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5. Die Gravitation
Die Welt wäre erheblich einfach, wenn sie einfach nur das wäre, was sie zu sein scheint. Zum Beispiel die Schwerkraft. Angeblich neigen ja die Dinge dazu, sich gegenseitig anzuziehen. Und das soll wiederum dazu führen, daß wir nicht bei jeder unbedachten Bewegung in die Stratosphäre sausen. Aber andererseits ist da auch noch die Fliehkraft, die wiederum dafür zuständig ist, daß das Wasser in der Milchkanne bleibt, wenn wir sie nur ordentlich am ausgestreckten Arm um unser Schultergelenk wirbeln. Nun soll sich ja auch die Erde drehen - und zwar in vielerlei Hinsicht. Vor allem jedoch um ihre eigene Achse - und zwar einmal in vierundzwanzig Stunden. Wenn nun einer einen Tag lang stocksteif am Nordpol steht, was angesichts der dort herrschenden Temperaturen ziemlich schnell passieren kann, dann kriegt er von der Fliehkraft ziemlich wenig mit. Er wird nur einmal in 24 Stunden um die eigene Achse gedreht. Ganz anders dagegen die Lage am Äquator: Wer unachtsam dort herumlungert, wird an einem Tag 40.000 Kilometer auf einer Kreisbahn rund um den Globus gewirbelt - das heißt: Er bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von fast 1700 Stundenkilometern, und wäre eigentlich permanent damit beschäftigt, die Schallmauer zu durchbrechen, wenn nicht die Luft so freundlich wäre, sich mit zu bewegen. 1700 Stundenkilometer ist jedenfalls eine ziemlich irre Geschwindigkeit, erheblich mehr, als die Milch in der Milchkanne ertragen muß. Diese Astronauten- Trainingsmaschinen jedenfalls, diese Zentrifugen, kommen nicht annähernd auf solche Geschwindigkeiten, und schaffen's trotzdem mühelos, ihre Insassen mit einer aberwitzigen Wucht in den Sessel zu pressen. Und es grenzt an ein mittleres Wunder, daß die Menschen am Äquator nicht allesamt - mangels fehlender Sessel - in den Weltraum geschleudert werden. Zumindest aber müßte die beachtliche Fliehkraft doch wenigstens dafür sorgen, daß die Äquatorialbewohner keinerlei Gewichtsprobleme haben oder daß bei ihnen wenigstens kleinere Gegenstände - wie etwa Büroklammern - permanent abheben. Aber nichts dergleichen passiert - und es ist auch nichts davon bekannt, daß die Eskimos an den Boden gepreßt werden, obwohl sie eigentlich unter der vollen Wirkung der Gravitation stehen müßten, weil ihnen halt keine besondere Fliehkraft zur Seite steht. Also stimmt entweder was mit unserer Schwerkraft nicht oder aber mit der Physik als solchen. Oder aber es wurden wieder mal die falschen Fragen gestellt, was aber eigentlich gar nicht sein kann.
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6. Die Zeit
Die Zukunft von Heute ist die Vergangenheit von Übermorgen. Oder etwas einfacher: All das, was im ersten Teil unserer sog. Sendung passieren wird, muß zwangsläufig spätestens dann vorbei, überwunden, vollbracht sein, wenn der zweite Teil dieser sog. Sendung beginnt. Egal wie klein und schnell die Dinge sind: Sie passieren irgendwann - im Bruchteil einer Sekunde und wenn sie passiert sind, sind sie vorbei. Was folgerichtig zu der schlauen Frage führt: Wo, bitte sehr, liegt eigentlich die Gegenwart und wie groß ist sie. Die Antwort ist ebenso simpel wie beunruhigend: Die Gesetze angewandter Logik belegen nämlich zweifelsfrei und eindeutig, daß die Gegenwart überhaupt nicht existiert. Um genau zu sein: Die Gegenwart ist eine virtuelle Rasierklinge, an der sich die Zukunft in Vergangenheit verwandelt. Da sich die Zeit in einem dauerhaften Fluß befindet, muß die Ausdehnung dieser Gegenwart "Null" betragen. Selbst das simple Wörtchen "Jetzt" ist so lang, daß sein erster Buchstabe - das "Jott" - einen winzigen Augenblick vor dem letzten "T" liegt. Das heißt: Sobald man das "T" von "Jetzt" ausgesprochen hat, befindet sich das "Jott" bereits in der Vergangenheit. Insofern ist die Gegenwart eine völlige Illusion und es erscheint vollkommen unverständlich, warum man beim Erlernen einer x-beliebigen Sprache immer mit der leidigen Präsensform abquält, die im Grunde genommen den wahren Charakter der Zeit vollkommen vernebelt. Spitzfindige Schlaumeier werden jetzt natürlich einwenden, daß es durchaus Tätigkeiten gibt, die eine gewisse zeitliche Ausdehnung haben - zum Beispiel das hemmungslos-faule, langanhaltende Herumliegen in einer Hängematte. Wer für die Dauer unserer sog. Sendung in diesem formidablen Möbelstück herumlümmelt, könnte mit Fug und Recht behaupten: "Ich höre jetzt Pops Tönende Wunderwelt und liege gegenwärtig in der Hängematte!" Aber erstens mal: Warum sollte man einen derartig blöden Satz formulieren. Und zweitens könnte genau in dem Moment, wo man diesen Satz ausspricht, beispielsweise das heimische Radio-Empfangsgerät seinen Geist aufgeben und dem gegenwärtigen- Herumlungern in der Hängematte einen bösen Strich durch die Rechnung machen. Allein die Absicht eine Tätigkeit aus der näheren Vergangenheit auch in der unmittelbaren Zukunft fortzusetzen schafft noch lange keine Gegenwart.
Davon ausgehend, daß der gegenwärtige Augenblick eine zeitliche Ausdehnung von "Null" hat, muß man sich wiederum fragen, warum der nächste Augenblick länger sein sollte. Nehmen wir mal den mundgeblasenen Schwan, der aus unerfindlichen Gründen vom Regalbrett kippt, der Schwerkraft folgt und am Boden zerschmettert: Dieser letzte Akt seiner Existenz endet ja schließlich nicht in einem Moment, sondern in mehreren. Zuerst berührt der Schnabel des gläsernen Schwans den Boden, dann der Hals. Und in dem Moment, in dem der letzte Teil seines formschönen Körpers zersplittert, liegt der Bruch des Schnabels bereits in der Vergangenheit. So wie ein Punkt auf einer Fläche - mathematisch gesehen - keine Ausdehnung haben darf, so hat auch der Augenblick keine erkennbare Dauer. Seine Dauer ist "Null", und folgerichtig liegt auch die Dauer etlicher, aufeinanderfolgender Augenblicke bei "Null". Wenn man also versucht, sich Zukunft und Vergangenheit als eine Aneinanderreihung zahlloser Augenblicke vorzustellen, so wird man mit dem billigsten Taschenrechner ermitteln können, daß die Zeit - im Prinzip - gar nicht existiert, sondern nur eine Ansammlung zeitloser, inhaltsleerer Augenblicke ist.
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7. Die Warmwasserversorgung
Ich wäre der letzte, der bestreiten würde, daß die allgemeine Frischwasserversorgung nicht zu den besten und genialsten Errungenschaften der Mitteleuropäischen Zivilisation zählt. Und perfektioniert wurde dieses System dann nur noch durch die Einführung sinniger Geräte, die in der Lage sind, auch warmes Wasser zu produzieren. Aber dann findet die uneingeschränkte Begeisterung schon ihre Grenzen. Die Idee hinter den ausgeklügelten Hebel- und Dreh-Vorrichtungen ist es ja, lause-kaltes und siedend-heißes Wasser zu einer angenehmen Mixtur zu vermischen. Und genau da scheint sich eine von Murphys berüchtigten Heim-Tücken eingenistet zu haben. Duschen beispielsweise haben vielfach ein - geradezu bösartiges - Eigenleben entwickelt zu haben: Wie begnadet man auch mit den Hebeln hantieren mag: Die Wassertemperatur folgt einfach ihren eigenen Regeln: Mal ist es zu heiß, mal zu kalt, und die gewünschten Veränderungen erfolgen oft mit einer durchtriebenen kleinen Verzögerung, so daß schätzungsweise 20 Prozent der allgemeinen Duschzeit mit völlig fruchtlosen Regulierungsarbeiten verbracht werden. Noch schlimmer allerdings ist der - unerwartet - auftretende Totalausfall der Warmwasserversorgung, der eigentlich immer dann eintritt, wenn man gerade seinen Gesamten Körper inklusive der darauf befindlichen Haare mit einem seifigen Schaum bedeckt hat, der gerade dabei ist, einem in die Augen zu laufen. Also: Wenn plötzlich das warme Wasser alle sein sollte - dann doch immer genau in diesem Moment. Und niemand ist hilfloser und verzweifelter, als ein frisch eingeseifter Mitteleuropäer unter der Dusche, der erschreckt feststellen muß, daß seine H²O-Installation nur noch eine Flüssigkeit ausspuckt, deren Temperatur vermutlich ganz dicht über dem gefrierpunkt liegt. Und genau aus diesem Grund muß an dieser Stelle auf die Vorteile eines Wannenbads hingewiesen werden, das natürlich auch seine Tücken haben kann. Aber dennoch vermindert sich dort der Kaltwasser-Totalschock-Faktor, und außerdem kann man in einer gut gefüllten Wanne auch ganz hervorragend dieser sog. Sendung lauschen.

Prinzipiell ist die Badewanne eine genial-simple Erfindung mit maximalem Entspannungsfaktor. Allerdings darf man sich schon fragen, weshalb das allgemeine Badewannen-Design so vollkommen unbeleckt von jedweden ergonomischen Erkenntnissen geblieben ist. Sicherlich: Da gibt's auch Super-Luxus-Designerwannen, in denen sich wenigstens der Versuch erkennen läßt, das Warmwasser-Behältnis den Konturen des menschlichen Körpers anzupassen. Aber die Dinger sind glattweg unbezahlbar, und der Komfort-Gewinn hält sich dann doch sehr in Grenzen. Die gemeine Wanne jedenfalls ist nichts, als ein lächerlicher, langgestreckter Trog, aus einem naturgemäß, harten, kalten Material, in ihrer Form bestens dazu geeignet, einen Seesack zu ertränken oder einen Pizzateig für eine sehr große Party anzurühren. Daß ausgewachsene Menschen in so einem Ding eine angenehme Zeit verbringen wollen, scheint die Badewannen-Designer noch nicht erreicht zu haben; sie bleiben einfach stur bei ihrem ratlosen Grundmuster, das der nordamerikanischen Pferdetränke entlehnt wurde. Der gemeine Mitteleuropäer wird entweder seine Füße über den Rand baumeln lassen oder aber darauf verzichten auch mit dem Oberkörper in die warmen Fluten zu tauchen. Er wird sich in seiner Wanne nicht wohlig räkeln können und sich immer wieder die Frage stellen müssen, warum eigentlich ausgerechnet über den Knien das meiste Wasser zu sein scheint. Und dann noch der Ablauf-Stöpsel: Ganze Bücher könnte man damit füllen, wie die verschiedensten Körperteile immer wieder in verhängnisvollen Kontakt mit diesem Gummipfropfen und der dazugehörigen Kette geraten. Bücher, die unbedingt noch geschrieben werden müssen.

Aus naheliegenden Gründen ist der in der Wanne liegende Mitteleuropäer meist ebenso nackt wie hilflos. Und gewisse bösartige Faktoren im Universum nutzen genau diese Hilflosigkeit einfach immer aus. Zum Beispiel klingelt eigentlich immer das telefon, wenn man gerade in der Wanne sitzt; der Anrufbeantworter - (falls vorhanden) - ist in solchen Situationen natürlich grundsätzlich ausgeschaltet. Und das Telefonklingeln wird von mal zu mal lauter und dringlicher, aber eben nur, wenn man in der wanne sitzt. Falls man doch auf die blödsinnige Idee kommen sollte, den eigenen Alabasterkörper aus dem angenehm-warmen Naß zu hieven und auf glitschigen Füßen tropfend durch die Wohnung zu stiefeln, kann man sich darauf verlassen, daß das Klingeln in dem Moment aufhören wird, wenn man sich dem Telefon auf 15 Zentimeter genähert hat. Und es fängt wieder an, wenn man gerade wieder in der Wanne Platz genommen hat. Natürlich klingeln auch Postboten, verirrte Pizza-Lieferanten, Wanderprediger, Gerichtsvollzieher und vergeßliche Mitbewohner bevorzugt dann an der haustür, wenn man gerade ein Bad nimmt. Und selbst der eigene, ansonsten zuverlässige Verstand hat vor dem Baden bevorzugt seine gröbsten Aussetzer: Das Glas Schaumwein, das man in der Wanne kredenzen wollte, ist in der Küche stehen geblieben. Das Buch, mit dem man sich amüsieren wollte, liegt noch auf der Sitzgruppe im Wohnzimmer. Und wenn es eine Zeitschrift sein sollte, dann gleitet sie einem - aus unerfindlichen Gründen - ins Wasser, gerade nachdem man die ersten drei Zeilen gelesen hat. Mensch und Wasser vertragen sich eben einfach nicht.

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8. Der mobile Mitteleuropäer
Jetzt geht das ganze Theater schon wieder los: Die Hälfte der Belegschaft knallt sich in irgendwelche fahrbaren oder fliegenden Untersätze und braust einfach - unter Angabe fadenscheiniger Gründe - davon. Das heißt: Von "Brausen" kann eigentlich gar nicht die Rede sein, denn die einen stürzen sich erst mal in jeden vorausschauend angekündigten Sommer-Stau auf den Straßen; und die anderen hocken in irgendwelchen Abflughallen herum, gucken auf flimmernde Bildschirme und fragen sich, wo eigentlich diese vielen Leute herkommen und wo sie hinwollen. Kurzum: Der alljährliche Wandertrieb des gemeinen Mitteleuropäers strebt wieder seinem Höhepunkt entgegen, und natürlich weiß kein Mensch genau, was ihn eigentlich dazu treibt, die Heimat so hektisch zu verlassen - ausgerechnet dann, wenn auch mal hier halbwegs erträgliche Temperaturen angesagt sind.

Komischerweise weiß ja auch jeder, was ihn erwartet: Die Flughäfen, Autobahnen und Intercity-Abteile platzen aus allen Nähten; ganze Inseln drohen wegen Überfüllung geschlossen zu werden; Stromnetze und Wasserversorgung brechen zusammen; Strandabschnitte müssen unter Einsatz der gesamten Verwandtschaft gegen unfreundliche Übernahmen verteidigt werden; nur lichtschutz-durchtränkte Hammer-Chemie kann vor den Einwirkungen der gnadenlosen Sonnenstrahlen schützen; tonnenweise Mückenmittel werden versprüht. Und hinterher werden wieder abertausende versuchen, ihren Reiseveranstalter vor den Kadi zu zerren, weil der Urlaub nicht das gehalten hat, was der Reiseprospekt versprochen hat.

Aber nächstes Jahr werden sie wieder wie die Lemminge losziehen und wieder Postkarten schreiben, auf denen sie die "armen Daheimgebliebenen" mit spöttischem Mitleid überziehen. Dabei haben's diese durchtriebenen Kreaturen ja sogar ganz gut getroffen, denn der große kollektive Betriebsausflug der urlaubshungrigen Erholungssucher verwandelt selbst die quirligsten Großstädte vorübergehend in einen fast idyllischen Ort der Ruhe und Entspannung. Jedenfalls kriegt man plötzlich selbst da einen Parkplatz, wo sonst noch nie was freigewesen ist.
Der berüchtigte Außerirdische jedenfalls, der mit seinem UFO um den Globus gurkt und - zwecks exo-ethnologischer Studien - das Verhalten der Eingeborenen Mitteleuropas beobachtet, wird sich wieder mal am Kopf kratzen, und versucht sein, daß Wörtchen "intelligent" aus seinem Bericht über die irdischen Lebensformen zu streichen.

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9. Eine Welt ohne Werbung?
Es wird Zeit, daß die gesamte Wirtschaftstheorie neu geschrieben wird: Da laufen ja immer noch Leute durch's Gelände, die irgendwas von geheimnisvollen Zusammenhängen zwischen 'Kapital' und 'Arbeit' faseln; andere behaupten, daß bei uns die Lichter ausgehen würden, wenn der Ölhahn abgedreht würde; und wieder andere meinen, daß das ganze Dilemma irgendetwas mit kleinen, kunstvoll bedruckten Papierscheinen zu tun hätte. Aber das sind alles Nebensächlichkeiten, denn das, um was sich wirklich alles dreht, ist Reklame. Egal ob man den Briefkasten öffnet oder sich durchs Internet hangelt; egal ob man einen Spielfilm sehen möchte oder auf die Straßenbahn wartet: Überall ist Werbung drin, drauf, drunter und drüber. Inzwischen funktioniert nichts mehr ohne Sponsoren, ohne bunte Broschüren, Plakate oder blödsinnige Fernsehspots.
Man stelle sich vor, die Werbebranche würde von einem Tag auf den anderen herausfinden, daß ihre ganzen Bemühungen eigentlich vergeblich sind - daß die ganzen Milliarden da vollkommen sinnlos rausgetan wurden; daß kein einziges zusätzliches Auto, kein Joghurt-Becher und keine Kopfschmerzpille mehr verkauft wurden, nur weil man eine unglaubliche Kohle in flotte Sprüche und windige Kampagnen butterte. Man stelle sich vor, die Werbefuzzis stellen fest, daß sie eigentlich nur allen auf die Nerven fallen und daß sie jetzt auch genug verdient haben. Dann würden aber die Lichter richtig ausgehen: Kein Spitzen-Sport mehr, keine überdachten Plakatträger an der Bushaltestelle; keine Jobs mehr für Zettelverteiler und Werbeausträger; die Häfte aller Zeitungen und Zeitschriften müßte eingestellt werden; Berge von Papier könnten nicht mehr bedruckt werden; Radio, Fernsehen, Internet, Telefon - alles würde zusammenbrechen. Selbst im Kleiderschrank würde die Krise herrschen, denn inzwischen ist es sogar modern geworden, selbst den eigenen Körper kostenlos als Werbefläche für allerlei Markenartikel zur Verfügung zu stellen.
Es wäre schier unglaublich, was alles passieren würde, wenn die Werbe-Industrie auf die verrückte Idee kommen würde, daß sie die Menschheit genug genervt hat. Ein völlig neues Zeitalter würde beginnen! Aber das ist natürlich völliger Humbug - der Trend geht eher in die andere Richtung: Und ich warte schon lange drauf, daß endlich auch das Space-Shuttle und die NATO-Panzer als Werbefläche entdeckt werden.
Ich frage mich allerdings, warum unsere sogeannte Sendung noch immer keinen Sponsoren hat - dann nämlich könnten womöglich auch die goldenen Zeiten zurückkehren, in der auch diese sogenannte Sendung von einer 3658köpfigen Pop-Team umsorgt wurde. Und die Möglichkeiten sind ja inzwischen noch erheblich größer geworden. Zum Beispiel könnte die Wunderwelt dann auch im PPP-(pay per Pop)Verfahren ausgetrahlt werden oder als "Pop-On-Demand" im Telefon ... "Rufen sie jetzt an!" - entweder für 18,20 DM die Minute oder kostenlos mit einer 20minütigen Werbeunterbrechung nach jedem Musikstück. Ein neues Imperium könnte da entstehen, mit dem zentralen Pop-Shop, wo jede Ausgabe dieses dröhnenden Dingsbums wahlweise als CD, MD, DVD, DAT, POD oder BVG geordert werden kann.

Selbst die Pop-Rätsel gäbe es dann nicht mehr als Gewinnspiel, sondern die geneigte Hörerschaft müßte dafür zahlen, mitzuspielen. Gewinn-Anrechts-Rubbel-Glückslose gäbe es dann in jedem Bäckerei-Fachgeschäft. Und die Pop'schen Heimatseiten im Internetz wären dann natürlich auch von Werbe-Einfensterungen zugepflastert, und für zahlungsunwillige Nicht-Mitglieder im "Popwelt.de"-Club würde es dann natürlich auch nur so eine fadenscheinige Schnupper-Tour geben, die immer da aufhört, wo's wirklich interessant wird. Aber mein grundsolider Herr Abteilungsleiter läßt sowas einfach nicht zu. Ich weiß auch nicht genau warum ...

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10. Abkochen für's Millennium
Die Tage werden schon wieder kürzer und in einem knappen halben Jahr soll die große Bombe gezündet werden, mit der die Zeitzählung eine vollkommene neue Torte anschneidet. Die eine Hälfte der Belegschaft zuckt gelangweilt mit den Achseln, weil Zahlen auch nur Schall und Rauch sind. Die andere jedoch wirft sich laut johlend vor den temporären Expresszug und hat sich fest vorgenommen, den großen Zahlendreher damit zu feiern, daß endlich mal viel Geld mit viel Aufwand geradewegs zum Fenster hinausgeworfen wird.

Hoteliers und Reiseveranstalter auf dem ganzen Globus müssen sich hohnlächelnd die Hände reiben, denn wenigstens ihr ewiger Traum ist wahrgeworden: Endlich mal kann man für die Besenkammer den Preis eines Luxus-Appartments verlangen, und für das Luxus-Appartment kassieren sie die Summe, die zu anderen Zeiten glatt als Kaufpreis durchgehen würde. Fluggesellschaften stecken ohne mit der Wimper das Doppelte ein, und setzen ihre Möchtegern-Passagiere dafür gerade mal auf die Warteliste. Kreuzfahrtschiffe machen mit einer einzigen Fahrt mehr Kohle, als ein mittelgroßes Finanzamt in einem ganzen Jahr.
Es wird hemmungslos abgesahnt und die Milleniums-süchtige Kundschaft läßt sich bereitwillig und glücklich-lächelnd übers Ohr hauen. Sogar die Champagner-Farmer haben schon mal deftige Preiserhöhungen angekündigt, und es würde mich nicht wundern, wenn auch die Luftschlangen-Hersteller und Papp-Hütchen-Fabrikanten gnadenlos zuschlagen würden.

Aber das kann's ja wohl noch nicht gewesen sein: Hinter den Kulissen meines Bäckerei-Fachgeschäftes munkelt man bereits über die Jahrtausend-Berliner (die anderswo selbstverständlich "Pfannkuchen" oder womöglich auch "Krapfen" heißen). Selbst schnödes Klump-Blei könnte zur Jahreswende zur lukrativen Geldanlage werden. In den Läden stehen bereits teure kleine Plastikteilchen, die die Sekunden bis zur Jahreswende herunterticken. Heerscharen von T-Shirts, Zahnbürsten und Feuerzeugen warten bereits auf ihren Einsatz.

Und irgendwo wird wahrscheinlich auch schon ein Zeltlager vorbereitet, wo man die letzte Nacht der Neunziger verbringen darf, ohne von irgendeinem Feuerwerkskörper belästigt zu werden. Ganz nach dem Motto: Schlafen sie ins Jahr 2000, ohne etwas zu merken. Und auch das wird dann seinen Preis haben - und was für einen!

Was dieses ganze Jahres-End-Spektakel anbelangt: Da wäre Tonga eigentlich die Adresse, denn auf der Suche nach einem geeigneten Motto ist nämlich König Taufa'ahau Tupo IV auf den Slogan "Das Land, in dem die Zeit beginnt" gekommen. Und flugs wurde eine eigene Zeitzone - nämlich die Tonga-Zeit - eingerichtet, die 13 Stunden vor Greenwich liegt.

Das wiederum hat die Jungs auf Kiribati, den Carolinen- und den Line-Islands wiederum unglaublich geärgert - also haben die noch eine ordentliche Delle in die Datumslinie schlagen lassen. Und so kriegen die jetzt als erste das Jahr 2000 ab, während auf den anderen Inseln ringsherum gerade erst der Silvester-Tag eingeläutet wird. Der König vonTonga wiederum war nicht gerade sehr erfreut , und nebenan - im französischen Polynesien - hat man ernsthaft drüber nachgedacht, noch mal eine Zeitzone draufzulegen und irgendeinen Sonntag zum Montag zu machen.

So wie's aussieht macht erstmal Kibribati das Rennen: 80 Minuten vor Tonga und 22 Minuten vor den neuseeländischen Chatham-Inseln wird dort die erste 2000er-Sonne aufgehen. Allerdings ist da dann auch noch Balleny Island - das liegt so weit südlich vor der Antarktis, daß die Sonne da schon kurz nach Mitternacht aufgeht - nochmal gute zwei Stunden vor Kibibati - nur leider ist Balleny Island eigentlich unbewohnt - aber mit Sicherheit werden da - zum Jahreswechsel - ein paar Schiffe vor Anker gehen - womöglich sind da sogar Fernsehteams mit an Bord, um den ersten Sonnenaufgang dieses albernen Jahres abzufilmen. Aber vielleicht regnet's ja ausgerechnet am dem Tag - würde mich glatt mit einer klammheimlichen Freude erfüllen.

Nachtrag

König Taufa'ahau Tupo IV hat jetzt noch mal einen nachgelegt: Er hat die Einführung einer speziellen Tonga-Sommerzeit veranlaßt. Das ist zwar absurd, denn seine Inseln liegen so dicht am Äquator, daß man da eigentlich nicht von "Sommer" oder "Winter" sprechen kann - aber es hilft um Kiribati auszustechen. Das heißt: vorläufig zumindest. Wenn die jetzt allerdings auch eine Sommerzeit aufmachen, muß der König sich was neues einfallen lassen. Das Rennen ist noch nicht beendet.

25.8.1999
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11. Radrennfahrer
Das Sommerloch führt ja bisweilen zu vollkommen abstrusen Randerscheinungen. So ein paar Zeitgenossen haben ja immer noch nicht die innere Ruhe, dieses komplette Fehlen substantieller Informationen zu verkraften. Und für diese Leute werden dann sommerliche Ersatz-Sportarten zum Kult hochgeblubbert.
Ganz im Ernst - mal gesetzt den Fall, die Fußballspieler würden keine wohlverdiente Sommerpause einlegen: Würde sich dann wirklich noch irgendjemand diese nichtsnutzigen Radfahrer angucken, die verschwitzt und verbissen vor irgendwelchen Kameras vorbeihuschen? Nichts gegen Fahrrad-Fahren - das ist eine ganz hervorragende Fortbewegungsart. Aber als sportliches Ereignis haben Rad-Veranstaltungen das geistige Niveau eines Laubhaufens, in dem sich keine Igel versteckt haben. Fußball, Eishockey, Tennis, sogar das - ansonsten auch sehr alberne - Golfspiel: Das sind hochgeistige Angelegenheiten gegen diese albernen Radtouren, wo's nur darum geht, tagelang mit Höchstgeschwindigkeit auf und ab zu strampeln und eben schneller zu sein, als die anderen.

Ebensogut könnte man den ganzen Sommer über hochbezahlte Hamster zeigen, die dumpfsinnig durch ihr Laufrad traben und nur ab und zu zu irgendwelchen Doping-Kontrollen gestoppt werden. So ein Radfahrer muß einfach passen, wenn man ihn fragt, was für eine "Taktik" er anwendet oder was er unterwegs gesehen und erlebt hat. Da gibt es einfach nichts - nicht mal ein paar Fotos bringt so ein Radsport-Profi von seiner Tour mit. Dabei sind die Landschaftsaufnahmen immer noch das schönste bei diesen Tour-Übertragungen und man fragt sich gelegentlich, wieso eigentlich immer wieder diese blöden Pedal-Strampler eingeblendet werden.

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12. Leichtathleten
Da bekanntermaßen der Besuch der Marsmenschen unmittelbar bevorsteht, sollten wir uns schon mal auf allerlei unangenehme Fragen gefaßt machen. Bekanntermaßen haben uns Herr und Frau Alien ja bereits seit etlichen Jahren per Fernseh-Überwachung ausspioniert, und da werden sie ja nun einiges gesehen haben, was sie nie und nimmer verstehen können. Zum Beispiel Sport: Ich red jetzt nicht vom Fußball und anderen Spielen, bei denen bunt kostümierte Truppen gemeinsam versuchen, einen drolligen Ball durchs Gelände zu bugsieren. Immerhin machen die ja noch den Eindruck, als würde ihnen das irgendwie Spaß machen - zumindest manchmal.

Nein! Ich meine eher diese ganzen komischen Dingem, wo es um Rennen, Werfen und Hüpfen geht; wo irgendwelche leicht bekleideten Menschen schweißtriefend am Rande der Erschöpfung mit schmerzverzerrten Gesichtern durch die Gegend hecheln - womöglich noch in so einem sturzlanweiligen Stadion, wo es immer nur im Kreis rumgeht. Die Regeln dabei sind dermaßen simpel, daß es schon wehtut: Man muß einfach nur schneller sein oder weiter kommen - und all das spielt sich immer zwischen einem A und B ab. Alles, was dabei irgendwie Spaß machen könnte, ist streng verboten - etwa dem Konkurrenten mal ein Bein zu stellen oder eine Abkürzung über den Platz nehmen. Statt dessen bewegen sich diese Hochleistungs-Athleten immer nur in ihren peinlich-genau markierten Bahnen und wirken dabei genauso aufregend, wie dressierte Laborratten, die auf der Flucht vor den apokalyptischen Reitern sind. Intelligenz oder gar Taktik sind dabei nicht gefragt: Es geht allein darum, sich gnadenlos fertigzumachen, um dann mit letzter Kraft über die Ziellinie zu stolpern.

Aber während eine Laborratte wenigstens noch mit einem wirklich tollen Leckerbissen belohnt wird, kriegen diese dressierten Sportler nur so eine mickrige Medaille, für nicht mal in einem Bäckerei-Fachgeschäft als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Oder - noch schlimmer: Sie bekommen ein ausgesucht häßliches Metall-Behältnis, das normale Menschen in den dunkelsten Winkeln ihres Dachbodens verstecken würden. Außerdem haben die Gewinner die Chance, demnächst noch mal über die Aschenbahn zu hecheln und sie tun sogar noch so, als würden sie sich darüber freuen. Aber auch das wär ja noch o.k. - manche Menschen haben ja auch Spaß dran, sich heißes Wachs in den Bauchnabel zu  gießen - nur: Bei denen sitzen keine Hunderschaften auf den Rängen und applaudieren. Mit anderen Worten: Was sollen wir den Marsmenschen antworten, wenn sie uns fragen, was eigentlich so toll daran ist, komplett erschöpften Menschen zuzusehen, die im Kreis rumrennen? Ich weiß es nicht!

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13. Sind wir allein (im All)
Wo sind sie - die Außerirdischen? Und was ist, wenn es sie gar nicht gibt? Wenn da niemand im Orbit kreist und sich unentwegt über die seltsamen Rituale der Mitteleuropäer bepfeift? Was ist, wenn da wirklich keiner ist, der sich für unseren kleinen Planeten interessiert? Und was ist, wenn Einsteins Theorie endgültig stimmt, und sich wirklich nichts schneller, als mit Lichtgeschwindigkeit bewegen kann. Kein Hyper-Drive und kein Warp-Antrieb. Die Reise zu nächsten, halbwegs komfortablen Planeten dauert etliche Jahrzehnte. Und bei einem interstellaren Telefongespräch muß man ein ganzes Jahrhundert warten, bis man eine Antwort bekommt.

Alle bekannten Regeln der Wissenschaft sagen, daß es genau so ist: Selbst wenn da irgendwo in den Weiten des Alls jemand sein sollte: Er wird uns einfach nicht besuchen können, und vielleicht auch gar nicht besuchen wollen. Wir sind komplett allein - hier draußen. Wenn wir etwas Glück haben, dann fangen wir irgendwann mal eine Jahrzehnte-alte Gameshow aus irgendeiner von riesigen Quallen bevölkerten Welt ein, und sagen „ah" und „oh" und „Sind die aber häßlich!" Und verstehen kein Wort und halten die Werbeunterbrechung wahrscheinlich für eine außerirdische Nachrichtensendung. Ein fuchtbarer Gedanke!

Wenn man sich einredet, daß es einfach ganz unmöglich ist, daß wir jemals einen Kontakt mit 'Aliens' haben können, weil das einfach nicht geht - dann wird diese Welt doch irgendwie ein Stück langweiliger: Nichts mehr mit „Science Fiction", keine Märchen von „außerirdischen Besuchern", aus für die Geschichte mit den Pyramiden des Mars. Und selbst diese sog. Sendung hätte dann keinen Spiegel mehr im Orbit, der es durchaus amüsant findet, wie der gemeine Mitteleuropäer seinen Müll trennt oder unglaublich lange Strohhalme in Eimern drapiert. Ganz ehrlich: Wir wären nicht mehr ganz wir selbst, ohne unsere Außerirdischen. Und wenn da keine sind, dann müssen wir sie erfinden.

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14. Wieso ausgerechnet Sonntag?
Angesichts der glücklich aufgeflackerten Debatte über den Ladenschluss, muß man sich die Frage stellen, was eigentlich so tolles an diesem Sonntag ist. Irgendwie ist er sicherlich 'kein tag wie jeder andere'  - und das hat jetzt nichts mit der Ausstrahlung unserer sogenannten Sendung zu tun. Andererseits ist auch der Montag kein Tag wie jeder andere - und auch nicht der Freitag, und erst recht nicht der Sonnabend. Als "Tage wie alle anderen" bleiben eigentlich nur noch Dienstag und Donnerstag übrig - die bestimmt nicht nur zufällig beide mit einem "D" beginnen.

Der Sonntag als solcher jedenfalls ist überhaupt nicht richtig erforscht: Wo kommt er her, wo geht er hin - und wieso wird ausgerechnet um den Sonntag so ein riesiges Theater gemacht. Wenn der Mittwoch wirklich in der Wochenmitte liegen soll, dann wäre der Sonntag der erste Tag der Woche, was aber ziemlich krass dem allgemeinen Empfinden widerspricht. Schließlich bildet der Sonntag - sozusagen - das zweite und letzte Kapitel des Wochenendes, was ja wohl bedeuten soll, daß die Woche irgendwie zu Ende ist. Also liegt der Mittwoch falsch - er müßte seinen Platz mit dem Donnerstag tauschen - oder aber einen neuen Namen kriegen, wie "Mittwoch, abzüglich der teilweise arbeitsfreien Tage des Wochendes". Das wäre zwar korrekt, aber irgendwie etwas unhandlich.

Abgesehen davon sind diese Namen ja sowieso Schall und Rauch. Genausowenig wie am Mittwoch die Woche mittet, blitzt es am Donnerstag. Und ausgerechnet am Sonntag regnet's eigentlich verdächtig oft. Mit anderen Worte: Die "Woche" ist ein reines Phantasieprodukt, das lediglich dadurch aufgewertet wird, dass gewisse Dinge eben genau wöchentlich passieren, wie beispielsweise das Erscheinen einer Wochenzeitung. Ansonsten paßt die Woche nicht mal in den Kalender. Zwölf Monate ergeben noch - gerade so, mit Ach- und Krach - ein ganzes Jahr. Aber vier Wochen kommen nur äußerst selten auf einen kompletten Monat; nicht mal der Vollmond richtet sich nach diesem System. Die Woche als solche ist vollkommen unbrauchbar, der Sonntag ist eine Illusion. Und die Sache mit den Sonntagszuschlägen erst Recht! Ganz besonders für geschwätzige Moderatoren! Aber nicht nur die arbeiten oft genug am Wochenende, sondern beispielsweise auch die Priester und ihre Assistenten. Und ich würde ja gern mal wissen, ob die eigentlich Feiertags-Zuschläge kriegen.

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15. Die Dienstleistungsgesellschaft
Angeblich bewegen wir uns unweigerlich auf das Zeitalter der "Dienstleistungs-Gesellschaft" zu, und es wird Zeit, diesen merkwürdigen Begriff mal mit etwas Inhalt zu füllen. "Gesellschaft" ist ja noch ganz einfach, aber wer ist überhaupt eine "Dienstleistung"? Wer leistet da Dienst? Oder genauer: Muß man seinen Wehrdienst leisten oder gibt es auch Dienstleitungs-Verweigerer? Welche Gewährleistung bietet dieser Dienst und was bringt das dem Kunden? Kundendienst wahrscheinlich, und da geht das Dilemma los.

Der Kunde ist bekanntermaßen der Sand im Getriebe der modernen Wirtschaft. Er stört einfach, bringt alles durcheinander, nervt grundlos mit Fragen und verweigert neuerdings sogar die Bar-Zahlung. Um trotz der nichtsnutzigen Kundschaft wenigstens ein bißchen Arbeit erledigt zu bekommen, wurde in den letzten Jahrzehnten ein ausgeklügeltes System entwickelt, mit dem das überzogene Anspruchsdenken der Verbraucher in Grenzen gehalten wurde. Wenn man hundert mal den Satz gehört hat "dafür bin ich gar nicht zuständig", dann verkneift man sich vielleicht beim hundert-und-ersten mal diese Frage und macht sich selbst auf die Suche nach den Zahnstochern im Sonderangebot. Entweder man findet sie auch ohne die Hilfe des gestreßten Fachpersonals. Oder aber man stellt fest, daß man eigentlich auch ohne Zahnstocher ganz gut leben kann. Diese Philosophie des "eigenverantwortlichen Kunden", der auch ohne fremde Hilfe durch seinen Supermarkt findet, hat eigentlich ganz gut funktioniert. Und insofern könnte man auf die Idee kommen, daß die verrückte Idee einer "Dienstleistungs-Gesellschaft" an den Pfeilern unserer Wirtschaft rüttelt. Aber: Weit gefehlt!

Es geht gar nicht darum, unselbständigen Kunden den Einkaufswagen vollzupacken, sondern nur um die Perfektionierung des alten Systems: Früher quatschte man einen gut beschäftigten Einzelhandels-Angestellten an, um abgewimmelt zu werden. Im Zeitalter der Dienstleistungs-Gesellschaft gibt es dafür eine Hotline. Da weiß man zwar auch nicht, wo die "Zahnstocher aus dem Sonderangebot" zu finden sind. Aber da heißt es dann nicht "dafür bin ich nicht zuständig", sondern "oh, ich wußte gar nicht, daß wir Zahnstocher im Sonderangebot haben!" Und so was ist eben Fortschritt und ein erster Schritt ins sonnige Land der modernen Dienstleistungs-Gesellschaft.

Natürlich ist mein Bäckerei-Tresen von dieser umwälzenden Entwicklung nicht ausgeschlossen: Neulich stand da eine Neue vor den - verblüffend gut - gefüllten Regalen: ganz allein und hoffnungslos überfordert, was vor allem daran lag, daß sie so ein bißchen Probleme hatte, das gewünschte Kastenbrot überhaupt zu orten. Da mußte man dann immer - so wie früher beim "Goldenen Schuß" - Kommandos geben: "Noch etwas weiter links, links, links, links - Stop - jetzt hörer. Und ... ja ...: Da isses!" So was hätte früher natürlich die lästerhafte Kunden-Frage provoziert "Sie sind wohl neu hier, was?" Aber nicht in der Ära der Dienstleistungs-Gesellschaft: Die neue Bäckerei- Fachverkäuferin trug nämlich einen unübersehbaren Blech-Knopf an ihrer Schürze, auf dem stand "Ich bin neu hier!", und zwischen den großen Buchstaben konnte man einige putzige Marienkäferchen erkennen.

Das war doch irgendwie sehr positiv, und danach - beim Gang durch den Supermarkt - hab' ich natürlich geguckt, ob das dortige Fachpersonal womöglich auch mit diesen aussagekräftigen Botschaften eines neuen Zeitalters geschmückt waren  ... weiß ich ... da könnte doch dran draufstehen: "Bitte fragen sie mich nicht!" oder "Ich bin hier nur zur Aushilfe!" oder wenigstens "Sie dürfen hier einkaufen, aber quatschen sie mich nicht an!". Wie viele Mißverständnisse, wie viel Ärger könnte durch solche Ansteck-Knöpfe vermieden werden.

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16. Die Talkshow-Begleitmusik
Seit der Mensch die Bäume verlassen hat, ist er unentwegt dabei, seine gelegentlich angestaute Kreativität abzulassen. Der eine hat kleine Hühner in Felswände geritzt; der andere hat herausgefunden, daß man mit dem Flitzebogen nicht nur kleine Hühner abschießen, sondern auch ganz komische Geräusche erzeugen kann. Dann kam noch einer dazu, der ab und zu auf einen Kürbis gehauen hat, und nach einer erbittert gegrunzten Diskussion wurde beschlossen, daß man jede Form "komischer Geräusche" fortan "Musik" nennen wollte. Die meisten frühen Musiker wurden allerdings ziemlich schnell aus der Höhle gejagt.
Später, als man nicht mehr in Höhlen, sondern in Hütten wohnte und ein bißchen zivilisierter war, hat man schlechte Musikanten nur noch gefesselt und geknebelt. Inzwischen sind wir noch zivilisierter geworden sind, und verzichten auf geschmäcklerische Zensurmaßnamen: Die schrecklichsten Musiker werden heute stattdessen zum Fernsehen  geschickt. Dort dürfen sie dann Musik für Serien komponieren oder aber in intelligenten Talk-Shows den Pausenclown spielen.
Bei diesen Quasselrunden geht's schließlich um das endlose Gelaber der ein-verladenen Gäste; nur wenn man eben die Gläser nachgefüllt oder die Stühle neu ausgerichtet werden, kommt die Talkshow-Begleitband zum Zuge. Und die spielt dann irgendwas, wo man sich zum Ende hin richtig wünscht, dass jetzt endlich wieder die Talk-Gäste etwas sagen (was sie dann auch meistens tun). Talkshow-Begleitmusik ist etwas ganz eigenes: Das geht auf die Zeit zurück, als der Mann mit dem Flitzebogen merkte, dass man mit dem Ding auch Töne erzeugen konnte. Und jahrhundertelang war man mit dieser Form von Musik auch absolut zufrieden: Der Ton als 'Mittel, um die Pause zu überbrücken'. Es ist einfach nur Geräusch. Kein Mensch würde sich zu Hause die Platten von Talkshow-Begleitmusikern anhören - oder wenigstens kein vernünftiger Mensch.
Talkshow-Musikeinlagen haben soviel Inhalt wie Werbeblöcke ohne Werbung: Man blättert sich lieber durch die Zeitung von gestern, als dass man begeistert und gebannt, Oberschenkel-trommelnd oder gar leise mitsummend vor der Glotze sitzt, wenn endlich die Talkshow-Begleitmusiker wieder einen ihrer seltenen Auftritte haben.

Übertroffen wird der Nerv-Faktor der Talkabend-Begleitmucke nur noch durch singende Kabarettisten. Früher mal gab's so eine Unterhaltungsform, die nannte sich Kabarett (das ist jetzt mit der Gattung "Blödel-Show" zusammengegangen und nennt sich "Comedy"). Jedenfalls war Kabarett ganz lustig - nur irgendwann - im Laufe ihrer Darbietung - wurden praktisch alle Kabarettisten von so einem unerklärlichen Wahn befallen und meinten dann, eine musikalische Einlage präsentieren zu müssen. Im schlimmsten Fall haben sie selbst gesungen. Und das war dann jedesmal der Moment, in dem man die Fernsehstube getrost für ein paar Minuten verlassen konnte. Das war, als ob man regelmäßig in die "Tagesschau" einen kleinen Entertainment-Block packen würde. (Einige - betont jugendliche - Abteilungsleiter im Fernsehen mögen das wiederum für eine begnadete Idee halten).

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17. Wenn Computerhersteller Herde bauen würden
Hat eigentlich schon irgendwer mal drauf hingewiesen, dass gewöhnliche Elektroherde diesen albernen Computern um Längen überlegen sind? Oder im Klartext: Wenn ein Herd ein Computer wäre, dann könnte man sich absolut nicht darauf verlassen, dass der Auflauf am Ende der Zubereitung immer noch im Ofen stehen würde. Man dürfte sowieso nur noch Nahrungsmittel auf diesem Herd zubereiten, die vom Hersteller ausdrücklich freigegeben wurden - und selbst dann sollte man nicht davon ausgehen, dass man am Ende eine warme Mahlzeit hätte. Allein das Öffnen der Ofenklappe würde wahrscheinlich schon zum Erlöschen der Garantie führen - und die Zubereitung von einer Spaghettisauce würde erstmal mit der Frage beginnen: "Wollen sie das wirklich kochen? Ja/Nein/Abbrechen!"
Herde, die von Computerfabrikanten montiert werden, sind dann möglicherweise auch allergisch gegen Zwiebeln. Jeder Versuch, irgend etwas mit Zwiebeln zuzubereiten, würde unweigerlich zu einer allgemeinen Schutzverletzung führen. Man müsste dann den Herd 'neu hochfahren' und per Hand jeden Zwiebel-Schnipsel aus der Spaghetti-Sauce heraus fingern, bevor man weitermachen kann. Vielleicht hat der  Herd aber auch etwas gegen Oregano oder gegen Knoblauch. Aber das müsste man erstmal selber heraus finden, weil das Display einem immer nur sagt "Unbekannte falsche Substanz in Spaghettisauce auf Herdplatte 1. Substanz E/O 12.376. Mehr wissen? Ja/Nein/Abbrechen!"
Und wenn man dann sagt "Mehr wissen!", dann verkündet der Herd "Allgemeiner Fehler! Substanz in FFFG-73579 - GGH, Herd-Set, WANG BB1A0 External, Spaghetti-Error! Nudel-Setup-Menü 33447A-09-B-12; Vitamin-Overflow detected! Mehr wissen? Ja/Nein/Abbrechen".
Sollte man man dimmer noch  "Mehr wissen!" wollen, dann kommt ein Stück Papier aus dem Backofen, auf dem steht: "Unbekannter Spaghetti-Fehler. Bitte wenden sie sich an die Hotline Ihres Herd-Herstellers!" Und danach geht gar nichts mehr und man muss wieder in den Keller gehen und die Sicherung neu rein schrauben. Also im Klartext: Wenn die Computer-Fabrikanten Herde bauen würden, dann gäbe es bei uns nur noch kaltes Buffet und Kastenweißbrot - wenn denn welches da ist.

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